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Podiumsdiskussion während der Jubiläumsveranstaltung

Rückblick auf die Jubiläumsveranstaltung „20 Jahre MBE“

Anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte haben die Trägerverbände der MBE zu einem Fachaustausch eingeladen, um auf die Entwicklung der MBE zurückzublicken und über die Fortentwicklung des Beratungsprogramms zu diskutieren. Zu den rund 70 Gästen gehörten unter anderem die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Natalie Pawlik, und BAMF-Vizepräsident Dr. Michael Griesbeck.

Das Ziel der Jubiläumsveranstaltung am 1. Juli 2025 in Berlin war zum einen, auf die Entwicklung des fest etablierten Beratungsprogramms für erwachsene zugewanderte Menschen zurückzublicken und sich über die Wirkungen der MBE im Integrationsprozess auszutauschen. Zum anderen richtete sich der Blick auf die Zukunft der Migrationsberatung, die Fortentwicklung der vielfältigen Aufgaben sowie der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen beteiligten Akteurinnen und Akteuren.

Als Vizepräsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) betonte Michael Groß zum Einstieg die hohe Bedeutung der MBE. Die Migrationsberatung sorge dafür, dass zugewanderte Menschen eine gute Beratung erhielten. Sie biete eine hohe Professionalität, begegne ratsuchenden Personen auf Augenhöhe und arbeite in breiten Netzwerken. „Die MBE ist in einer funktionierenden Einwanderungsgesellschaft nicht wegzudenken und muss als dauerhaft gesicherte Struktur verstanden und gelebt werden können.”

Dr. Michael Griesbeck, Vizepräsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hob in seinem Grußwort die Beratung von Menschen, die nach Deutschland kommen, als zentrales Thema des Zusammenlebens hervor. Er dankte den Mitarbeitenden der Migrationsberatung und benannte die „Gründungsväter und -mütter“ die vor 20 Jahren mit dem Bundesamt die Migrationserstberatung – wie sie damals noch hieß – aufgebaut hatten. Er habe beim BAMF in seiner Zuständigkeit die Entwicklung der Migrationsberatung von Beginn an begleitet. Sein Fazit: „Die Migrationsberatung konnte sich segensreich entwickeln.“ Die MBE sei ein fester und erfolgreicher Bestandteil der bundesdeutschen Integrationsstrukturen. „Die MBE gibt durch ihre persönliche Begleitung Sicherheit und schafft Zugänge – Zugänge zu Sprache, zu Bildung oder zu Arbeit und damit zu gesellschaftlicher Teilhabe. Sie legt mit ihrer Arbeit somit den Grundstein für eine gelingende Integration – und das von Anfang an.“ Zugleich sei die ständige Weiterentwicklung der MBE wichtig, wofür die Evaluation des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) wertvolle Hinweise liefere.

Blick ins Publikum während der Jubiläumsveranstaltung, © Kira Hofmann, Photothek/BAGFW

In seinem Vortrag blickte Wolfgang Barth, der bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2020 beim AWO-Bundesverband für das Thema Migration zuständig war und das MBE-Programm ebenfalls seit den Anfängen mitgestaltet hat, auf die Entstehung und die Konzeptionierung der MBE zurück. Er bekräftigte dabei, wie gut Bundesinnenministerium, BAMF und Trägerverbänden die Verbindung der beiden Programme Ausländersozialberatung und Aussiedlersozialberatung zu einer gemeinsamen Migrationsberatung gelungen sei. Unterschiedliche Perspektiven, haushaltsrechtliche Fragen, die Berücksichtigung der jeweiligen Bedarfe zwischen Bund, Ländern und Kommunen seien offen besprochen und gemeinsam gelöst worden. Er betonte zugleich, dass es angesichts sich wandelnder Anforderungen im Laufe der Zeit immer einen Bedarf zur Nachjustierung und Entwicklung des Beratungsprogramms gebe.

Anschließend stellten Dr. Sarah Berndt und Güngör Begüm vom DeZIM, die die im Februar erschienene Evalution über die MBE mitverfasst haben, die zentralen Studienergebnisse vor. Die Migrationsberatung habe für Ratsuchende eine hohe Bedeutung bei der Orientierung und Integration. „Die Zufriedenheit der Ratsuchenden mit der MBE ist sehr hoch,“ stellte Dr. Sarah Berndt fest. Es lasse sich nachweisen, dass die Migrationsberatung wirksam sei, zur Integration beitrage und die Lebenslagen der Zielgruppe verbessere.

In seiner Kommentierung der Studie hob auch Johann Friedrich Killmer, Referent beim Deutschen Städtetag, die Wirkung der Migrationsberatung hervor. Die MBE helfe sowohl den ratsuchenden Menschen als auch den Kommunen. „Jeder MBE-Standort ist ein Gewinn für eine Kommune vor Ort,“ bekräftigte Killmer. Nur eine Migrationsberatung, die auskömmlich und dauerhaft finanziert sei, könne ihr Angebot aufrechterhalten. Kooperationsvereinbarungen zwischen MBE-Trägern und kommunalen Einrichtungen, etwa den Ausländerbehörden, seien wichtige Grundlagen für eine gelingende Zusammenarbeit. Über eine Fortentwicklung und Vertiefung dieser Netzwerkarbeit würden sich die Kommunen sehr freuen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion tauschten sich Staatsministerin Natalie Pawlik, die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, BAGFW-Vizepräsident Michael Groß und Fadel Haddad, MBE-Berater der Caritas in Berlin, über die Relevanz der Migrationsberatung, das Verhältnis zwischen MBE und Behörden, die Netzwerkarbeit und die Möglichkeiten der Fortentwicklung des Programms aus.

Staatsministerin Pawlik betonte: „Menschen, die neu nach Deutschland kommen, brauchen Unterstützung. Sie brauchen Menschen, die erklären, wie Angelegenheiten hier funktionieren. Je früher Migrantinnen und Migranten diese Unterstützung bekommen, desto schneller und besser klappt es auch mit der Integration. Seit 20 Jahren nun ist die Migrationsberatung für Erwachsene hier ein verlässlicher Partner: Vertrauensvoll, nachhaltig und professionell.“

Staatsministerin Natalie Pawlik und BA-Vorstandsmitglied Daniel Terzenbach während des Podiumsgesprächs, © Kira Hofmann, Photothek/BAGFW

BA-Vorstandsmitglied Terzenbach wies darauf hin, wie wichtig für Arbeitsagenturen und Jobcenter die Zusammenarbeit und der Austausch mit Beratungsstellen wie der MBE sei: „Unsere enge Zusammenarbeit findet Ausdruck in einer gemeinsamen Kooperationsvereinbarung. Die Migrationsberatung leistet einen wertvollen Beitrag für die Menschen, die hier ankommen, und die Gesellschaft im Land und gibt wichtige Impulse für die Arbeitsmarktintegration.“

BAGFW-Vizepräsident Michael Groß erläuterte, dass die Weitervermittlung der MBE dort an ihre Grenzen stoße, wo die Regeldienste nicht zeitnah verfügbar seien. Grundsätzlich stelle sich auch die Frage: „Was ist dieser Gesellschaft die Integration wert?“ So seien die mit dem Projektcharakter der MBE oft einhergehenden befristeten Verträge für die Beratenden aus Sicht der Verbände ein großes Problem. Hierüber bedürfe es einer Lösung.

MBE-Berater Haddad berichtete, dass er nach seiner Flucht aus Syrien, wo er als Anwalt tätig war, 2015 als Ratsuchender zur MBE gekommen und dort unterstützt worden sei. Später habe er dann selbst als Berater bei der Caritas beginnen können. Als MBE seien sie in vielfältigen Netzwerken mit kommunalen Behörden oder anderen Beratungseinrichtungen aktiv, was für die Arbeit ungemein wichtig sei. Diese Zusammenarbeit müsse aber selbstverständlich stetig intensiviert und erweitert werden.

Staatsministerin Pawlik bekräftigte abschließend: „Jetzt gilt es, die Strukturen besser zu verzahnen mit anderen Angeboten. Damit all diese Kraft und Kompetenz den Menschen nutzt und nichts in der Bürokratie verloren geht.“

Weiterlesen

Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, 20 Jahre MBE. Ein Bundesprogramm mit Wirkung vor Ort #AnkommenUnterstützen, Pressemitteilung vom 1. Juli 2025

Caritas Deutschland, 20 Jahre Migrationsberatung – Eine starke Struktur für Zusammenhalt und Teilhabe, Pressemitteilung vom 1. Juli 2025

Medienberichte

Integrationsbeauftragte Pawlik: „Migrationsberatung ist systemrelevant“, in: MiGAZIN vom 1. Juli 2025

20 Jahre Migrationsberatung: Pawlik fordert mehr Mittel, in: evangelisch.de vom 1. Juli 2025

Fotonachweis

Alle Fotos wurden während der Jubiläumsveranstaltung am 1. Juli 2025 in Berlin aufgenommen, © Kira Hofmann, Photothek/BAGFW



© Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte