Kongressbericht: 20 Jahre MBE im Wandel - Ein Bundes-programm mit Wirkung vor Ort
Am 11. Juni 2026 fand im Synagogenzentrum Potsdam der Fachkongress „20 Jahre MBE im Wandel: Ein Bundesprogramm mit Wirkung vor Ort“ statt, zu dem rund 150 Fachleute aus Behörden, Verbänden, Wissenschaft und der Beratungspraxis zusammenkamen, um auf zwei Jahrzehnte der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) zurückzublicken und gemeinsam neue Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln. Gemeinsam organisiert wurde der von Amira El Ahl moderierte Kongress vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) und dem Bund der Vertriebenen (BdV).
Die MBE als Wegbereiter

Podiumsdiskussion zum Thema Integrationsarbeit in unsicheren Zeiten beim MBE-Kongress im Synagogenzentrum Potsdam. © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW
Eine besondere Ehre war dabei die Eröffnung der Veranstaltung durch Abraham Lehrer, Präsident der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. und Vizepräsident des Zentralrats der Juden. Er betonte, dass die MBE weit mehr als ein Beratungsangebot sei. Sie stärke Teilhabe und baue Brücken in die Gesellschaft. Als jüdischer Wohlfahrtsverband kenne die ZWST die Begleitung von Ankommen und Neuanfang aus der eigenen Geschichte und wisse, wie wichtig eine gute Begleitung von Anfang an sei.
Vizepräsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge Dr. Michael Griesbeck unterstrich die Bedeutung des Veranstaltungsortes und der MBE: „Die Synagoge ist ein Ort der Begegnung und des Dialogs – und damit ein Ort, der auf besondere Weise zeigt, worum es auch in der Migrationsberatung geht: Menschen zusammenzubringen, Verständnis füreinander zu schaffen und ein Miteinander zu stärken. […] Die MBE ist seit zwanzig Jahren weit mehr als ein Beratungsangebot: Sie ist ein erster Vertrauensraum und ein Wegbereiter zugleich. Sie ist für viele Menschen der erste Anker in einem neuen Umfeld und schafft Zugänge zu Sprache, zu Bildung oder zu Arbeit und damit zu gesellschaftlicher Teilhabe.“
Video vom MBE-Kongress im Synagogenzentrum Potsdam
Den gesamten Kongress begleitete die Frage, welche Faktoren zum Erfolg der MBE beigetragen haben und welche Folgerungen daraus perspektivisch abgeleitet werden können. Immer wieder hoben die Teilnehmenden in ihren Beiträgen dabei das gute Zusammenwirken und die enge Kooperation der vielen beteiligten Akteurinnen und Akteure hervor. So betonten etwa Daniela Ludwig, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, und BAGFW-Präsident Achim Meyer auf der Heyde in ihren Grußworten die vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen den Trägerverbänden der MBE, dem Bundesinnenministerium sowie dem BAMF, wodurch ein starkes Fundament für das Bundesprogramm habe geschaffen werden können. Als wesentliche Erfolgsfaktoren der MBE wurden immer wieder auch die hohe Qualifikation und Fachlichkeit der Beratungsfachkräfte und der Beratungsstellen vor Ort genannt: Dr. Michael Griesbeck bezeichnete die Beratungsfachkräfte als „Brückenbauer“, die mit ihrer Arbeit die Grundlage für eine gelingende Integration schaffen würden, während Achim Meyer auf der Heyde sie als „Herzstück der MBE“ bezeichnete, die wesentlich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen würden.
Integration in unsicheren Zeiten
In seiner Keynote beleuchtete Hannes Schammann, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hildesheim, die Migrationsarbeit im Kontext aktueller Entwicklungen und benannte dabei auch Herausforderungen bei der Umsetzung der MBE: Neben der Finanznot der Kommunen und des Bundes verwies er auf den dadurch zunehmenden Rechtfertigungsdruck in der Verwaltung und Sozialen Arbeit. Auch die föderal unterschiedlichen Integrationsstrukturen und der Umgang mit der Digitalisierung stellten weitere Themen dar, für die im Zuge der Reformprozesse in der MBE Lösungen erarbeitet werden müssten.
Im Rahmen des ersten Podiums wurde darüber diskutiert, wie Integrationsarbeit in unsicheren Zeiten weiterhin gut gelingen kann. Annegret Korff, Leiterin der Unterabteilung Integration und Religionsgemeinschaften im Bundesministerium des Innern, verwies darauf, dass selbstverständlich die allgemeinen Sparzwänge eine Herausforderung darstellten. Viel mehr würde aber der notwendige Strukturierungsprozess die Arbeit prägen. Dieser ziele darauf ab, die Strukturen im Förderwesen und in der Integrationsarbeit zu prüfen und neu zu gestalten, damit diese verlässlich und nachhaltig sein könnten.
Den Blick auf die Arbeitsmarktintegration, eines der zentralen Beratungsthemen der MBE, lenkte Carina Knie-Nürnberg, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit. Sie erläuterte, dass Menschen mit Migrationsgeschichte auf dem Arbeitsmarkt oftmals Nachteile erführen und daher Maßnahmen wie z. B. der Job-Turbo benötigt würden, in denen Verwaltungen, Zivilgesellschaft und Politik erfolgreich zusammenarbeiten würden. Brigitte Meier, Beigeordnete für Ordnung, Sicherheit, Soziales und Gesundheit der Stadt Potsdam, betonte, dass es dabei entscheidend sei, dass neu ankommende Personen so rasch wie möglich aus den kommunalen Unterkünften in eigene Wohnungen wechseln und Arbeitsplätze finden könnten. Dabei sollte laut Katarina Niewiedzial, der Beauftragten des Berliner Senats für Partizipation, Integration und Migration, sowohl die Fluchtmigration als auch der Fachkräftezuzug gleichermaßen in den Blick genommen werden, da sich neu ankommende Menschen aktiv einbringen möchten.

Der MBE-Kongress fand im Synagogenzentrum Potsdam statt. © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW
Elke Ronneberger, Bundesvorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutschland, verwies auf die aktuelle Problematik, dass gerade kleinere Beratungsstellen in ländlichen Regionen sehr sichtbar und damit zum Teil durch den Rechtsextremismus bedroht werden. Wichtig sei daher, den Sozialraum mitzudenken und Begegnungen zwischen neuankommenden Menschen und der ortsansässigen Bevölkerung zu schaffen, um Vorurteile abzubauen. Marc-Pawel Halatsch, Generalsekretär des Bundes der Vertriebenen, bekräftigte, dass Migration in der gesellschaftlichen Debatte unter Verdacht geraten sei. Diese Stimmung wirke sich sowohl auf die Integration selbst als auch auf die Beratungsarbeit aus.
Impressionen vom MBE-Kongress

Eröffnung des MBE-Kongresses durch Abraham Lehrer, Präsident der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW

Der MBE-Kongress fand im Synagogenzentrum Potsdam statt. © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW

Begrüßung durch Dr. Michael Griesbeck, Vizepräsident des BAMF, © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW

Podiumsdiskussion zum Thema Integrationsarbeit in unsicheren Zeiten beim MBE-Kongress im Synagogenzentrum Potsdam. © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW

Podiumsdiskussion: Integrationsarbeit in unsicheren Zeiten, © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW

Einblicke in die Diskussionsforen während des MBE-Kongresses, © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW

Einblicke in die Diskussionsforen während des MBE-Kongresses, © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW

Einblicke in die Diskussionsforen während des MBE-Kongresses, © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW

Einblicke in die Diskussionsforen während des MBE-Kongresses, © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW

Einblicke in die Diskussionsforen während des MBE-Kongresses, © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW

Einblicke in die Diskussionsforen während des MBE-Kongresses, © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW

Einblicke in die Diskussionsforen während des MBE-Kongresses, © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW

Einblicke in die Diskussionsforen während des MBE-Kongresses, © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW

Einblicke in die Diskussionsforen während des MBE-Kongresses, © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW

Einblicke in die Diskussionsforen während des MBE-Kongresses, © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW

Blick auf die Reflexionsrunde: Zusammenfassung der Ergebnisse aus den Diskussionsforen und Perspektiven für die Zukunft, © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW
Starke Reformen mit starken Akteuren
Die MBE befindet sich aktuell in einem umfassenden Reformprozess, bei dem unter Berücksichtigung der aktuellen Herausforderungen daran gearbeitet wird, die Strukturen der MBE nachhaltig und das Beratungsangebot qualitativ hochwertig weiterzuentwickeln. Um viele Akteurinnen und Akteure miteinzubeziehen, wurden die aktuell wichtigsten Themen in Diskussionsforen unter der Leitung von Expertinnen und Experten gemeinsam bearbeitet. So wurden beispielsweise die Chancen und Grenzen von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz in der Beratungspraxis besprochen. Ebenso wurde die Frage nach der Perspektive der Migrationsberatung im kommunalen Integrationsgeschehen vertieft. Denn eine gute Arbeitsweise von Beratungseinrichtungen hängt immer auch mit einer engen Einbindung in kommunale Strukturen zusammen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Landesprogrammen und der MBE sowie mit Regeldiensten wurde in den Blick genommen, um eine bessere Verzahnung zwischen landes- und bundesgeförderte Integrationsangeboten in den nächsten Jahren zu erreichen. Immer wichtiger wird auch das Thema „Wirkungsmessung“ und die damit verbundene Fragestellung, wie man Wirkungen im Rahmen der Beratungsarbeit sichtbarer machen kann. Der offene Austausch zu all diesen Themen und die vielfältigen Perspektiven darauf machten deutlich, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligen für den weiteren Erfolg der MBE ist.
Ausblick auf die Zukunft der MBE
Abgerundet wurde der Kongress von einem gemeinsamen Ausblick von Podium und Publikum auf die nächsten fünf Jahre der MBE. Was muss, so die Ausgangsfrage, in diesem Zeitraum gelingen, um sagen zu können, dass die richtigen Weichen für die Migrationsberatung gestellt wurden? Dr. Oliver Steinert, Gruppenleiter Grundsatzfragen der Integration im BAMF, und Ina Schöneberg, Leiterin des Referats Integration im Bundesinnenministerium, sehen den aktuellen Reformprozess als Auftakt für einen intensiveren Austausch mit den Ländern, damit es in fünf Jahren gut abgestimmte Beratungsstrukturen gibt, die nachweisen können, wie sie wirken. Auf Seiten der Verbände betonten Nadja Saborowski, stellvertretende Leiterin des Bereichs Jugend und Wohlfahrtspflege DRK, und Björn Steinberg, MBE-Berater beim AWO Bezirksverband Potsdam, die Bedeutung einer sicheren Finanzierung für die MBE. Integration sollte von allen Beteiligten als selbstverständliche Aufgabe anerkannt werden. Als Vertreterin einer Kommune wünschte sich Susanne Neupert, Integrationskoordinatorin des Burgenlandkreises, zum einen Planungssicherheit für das Beratungsprogramm und hoffte, dass die besonderen Bedingungen des ländlichen Raumes, in denen Beratung vielfach anders funktioniere als im urbanen Umfeld, auch perspektivisch mitgedacht und dessen Bedarfe berücksichtigt würden.

Reflexionsrunde: Zusammenfassung der Ergebnisse aus den Diskussionsforen und Perspektiven für die Zukunft, © Ronny Hartmann, Photothek/BAGFW
Zum Abschluss des Kongresses wurde deutlich, dass die MBE auch nach 20 Jahren ein unverzichtbarer Baustein für gelingende Integration ist. Trotz der vielfältigen Herausforderungen überwog der Ausblick nach vorn. Der intensive Austausch, das große Engagement aller Beteiligten und die gemeinsame Bereitschaft, die MBE weiterzuentwickeln, stimmen auch für die nächsten Jahre zuversichtlich. Mit einer starken Zusammenarbeit und dem gemeinsamen Ziel, Menschen bestmöglich auf ihrem Integrationsweg zu begleiten, bestehen gute Perspektiven, die MBE auch in Zukunft weiterhin erfolgreich und wirkungsvoll zu gestalten.
Die Veranstalter bedanken sich ganz herzlich bei allen Beteiligten, insbesondere auch bei Amira El Ahl für die hervorragende Moderation des Kongresses.








